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Lässig Statt Stressig
Der Blog zum Podcast
Dysreguliertes Nervensystem Teil 2, Folge 38 des Podcasts Lässig statt Stressig
Dysreguliertes Nervensystem: 6 Übungen für den Notfall [039]
Ich zeige dir, wie du in akuten Stressmomenten schnell runterkommst und warum Übungen allein trotzdem nicht reichen.
  • Woher der Boom der Nervensystemübungen kommt
  • Sechs Übungen, die dich in Minuten runterholen
  • Warum ein leiserer Rauchmelder kein Feuer löscht
Nervensystem regulieren: 6 Übungen gegen akuten Stress und warum sie allein nicht reichen
Atemübungen, Kältereize, Klopftechniken: Wer gerade durch Instagram oder YouTube scrollt, bekommt fast täglich eine neue Übung gezeigt, die das Nervensystem angeblich in Minuten beruhigt. Einiges davon wirkt tatsächlich. Nur erklärt selten jemand, woher diese Übungen kommen und was sie leisten können.
Im ersten Teil ging es darum, wie dein Nervensystem mit Gas und Bremse arbeitet und welche vier Zustände unter Stress entstehen. Jetzt wird es praktisch: woher die Übungen stammen, sechs davon zum sofortigen Ausprobieren und wo ihre Grenze liegt. Ausführlicher hörst du das in Folge 38 meines Podcasts.
Polyvagaltheorie: gute Landkarte, umstrittene Anatomie
Fast alles, was du online zur Regulation des Nervensystems findest, stützt sich auf die Polyvagaltheorie von Stephen Porges aus den neunziger Jahren. Sie kennt drei Zustände: sicher und ruhig über den vorderen Vagusast, Kampf und Flucht über den Sympathikus, Erstarren und Abschalten über den hinteren Vagusast.
Das Modell ist eingängig, anatomisch aber stark umstritten. Anfang 2026 haben 39 Forscherinnen und Forscher seine Grundannahmen geprüft und vor allem für eine zentrale Behauptung keine Belege gefunden: dass der hintere Vagusast beim Menschen das Abschalten steuert. Als Landkarte für deine eigenen Zustände taugt das Modell trotzdem. Und die Übungen wirken, nur eben aus anderen Gründen als behauptet.
Die drei Zustände der Polyvagaltheorie als Landkarte für das eigene Stresserleben
Sechs Übungen, die dich im akuten Stress runterholen
Ziel der Regulation ist keine Tiefenentspannung, sondern Handlungsfähigkeit. Solange du im Alarm steckst, ist dein Denkapparat schlicht nicht verfügbar. Diese sechs Übungen helfen dir, wieder zwischen Gas und Bremse wechseln zu können:
  1. Zwerchfellatmung: Eine Hand auf den Bauch, vier Sekunden durch die Nase ein, acht Sekunden aus. Entscheidend ist, dass du länger aus als einatmest.
  2. Augenübung: Hände hinter dem Kopf verschränken, Kopf ruhig halten und nur mit den Augen 30 Sekunden nach rechts, dann nach links schauen. Ein Seufzer oder Gähnen zeigt, dass es wirkt.
  3. Klopfen: Die Handkanten gegeneinander klopfen und dazu einen stärkenden Satz sagen, etwa: Ich bin sicher.
  4. Butterfly: Arme vor der Brust kreuzen und abwechselnd links und rechts auf die Schultern tippen.
  5. Grounding: Fünf weiße Dinge suchen, vier runde, drei blaue. Das holt dich zurück ins Hier und Jetzt.
  6. Kältereiz: Gesicht oder Handgelenke kurz mit kaltem Wasser abspülen und dabei ruhig weiteratmen.
Nimm dir nicht alle sechs vor. Such dir zwei aus: eine für zu Hause und eine, die du unauffällig im Meeting machen kannst.
Sechs Übungen zur Regulation des Nervensystems: Zwerchfellatmung, Augenübung, Klopfen, Butterfly, Grounding und Kältereiz
Türöffner statt Endlösung: Der Rauchmelder und das Feuer
Viele regulieren seit Monaten fleißig: Morgenroutine, Atemapp, Kältedusche. Und trotzdem löst dieselbe Situation im Job denselben Alarm aus wie vor einem halben Jahr. Dann taucht schnell der Gedanke auf, die Übung falsch zu machen. Dabei reagiert dein Körper genau richtig.
Dein Nervensystem ist ein Melder, nicht der Verursacher. Mit Übungen drehst du den Rauchmelder leiser, das Feuer brennt weiter. Das Feuer sind meist innere Muster: der Anspruch, immer verfügbar zu sein, das Gefühl, nur über Leistung wertvoll zu sein, oder die Schwierigkeit, Nein zu sagen. Nutze die Übungen, um runterzukommen, und den klaren Kopf danach, um an diese Muster zu gehen.
Rauchmelder wird leiser gedreht, während das Feuer der inneren Stressmuster weiterbrennt
Dein Fahrplan: So nutzt du Regulation richtig
Regulation ist wertvoll, wenn du sie gezielt einsetzt. So gehst du vor:
  1. Wähle zwei Übungen: Eine für zu Hause, eine für unterwegs. Teste beide eine Woche lang täglich.
  2. Notiere den Auslöser: Schreib jedes Mal in einem Satz auf, was passiert ist, bevor du die Übung gebraucht hast.
  3. Erkenne dein Muster: Schau dir nach einer Woche deine Notizen an. Was sich wiederholt, ist dein eigentlicher Ansatzpunkt.
Möchtest du an das Feuer statt nur an den Rauchmelder?
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