Zum Inhalt springen
Lässig Statt Stressig
Der Blog zum Podcast
Deine Veränderung scheitert [036]
Ich zeige dir, warum deine Veränderung nicht an fehlender Disziplin scheitert, sondern an vier Schutzmechanismen, die dein Gehirn eingebaut hat.
  • Warum ein guter Vorsatz ein Vertrag ist, den der eine Teil unterschreibt und der andere ausbaden muss
  • Wieso dein Gehirn wie ein Autopilot arbeitet und sich dabei nur an Bekanntem orientiert, nicht an Gutem
Deine Veränderung scheitert, Warum dein Unterbewusstsein dich sabotiert
Deine Veränderung scheitert: Warum dein Unterbewusstsein dich sabotiert
„Ich weiß doch ganz genau, was ich anders machen müsste. Ich mache es nur einfach nicht.“ Diesen Satz höre ich in Erstgesprächen fast wöchentlich, und meistens kommt er mit einem entschuldigenden Lächeln.
Dahinter steckt fast immer die gleiche Überzeugung: Ich bin nicht diszipliniert genug. Ich reiße mich zu wenig zusammen. Irgendwas stimmt mit mir nicht.
In Folge 35 des Podcasts habe ich mir angeschaut, wie tief dieser Irrtum sitzt. In der Folge davor ging es darum, was dein Gehirn für echte Veränderung braucht. Heute schauen wir auf die andere Seite: was aktiv dagegen arbeitet.
Denn deine Veränderung scheitert nicht an dir. Sie scheitert an vier Mechanismen, die dein Gehirn eingebaut hat, um dich zu schützen. Nicht um dich glücklich zu machen.
Der unfaire Deal zwischen deinen zwei Denksystemen
Dein Gehirn hat zwei Betriebsarten. System 1 läuft schnell, automatisch und gefühlsgesteuert. Du siehst ein Auto auf dich zukommen und weichst aus, ohne nachzudenken. Das läuft einfach.
System 2 ist das Gegenteil. Tiefes Nachdenken, Abwägen, sich bewusst gegen einen Impuls entscheiden. Das ist der Teil, der abends sagt: Nein, ich greife jetzt nicht zur Schokolade, ich habe mir etwas vorgenommen.
Der Haken: System 2 kostet richtig Energie. Du kannst dir das wie einen Akku im Stirnbereich vorstellen, der sich über den Tag leert. Und wenn er leer ist, übernimmt wieder System 1. Du landest zurück in deinen bekannten Mustern.
Jetzt kommt das Unfaire daran. Ein guter Vorsatz ist eine Vereinbarung, die System 2 trifft. Ausgeführt werden muss sie aber von System 1, das beim Vertragsabschluss gar nicht dabei war. Das erinnert mich an meine Zeit als Entwickler im Unternehmen. Der Vertrieb hat mit dem Kunden einen Deal gemacht, und hinterher kam jemand zu mir und sagte: Hier, das ist jetzt dein Projekt, bau das mal.
Und wann willst du üblicherweise gesünder handeln? Abends, nach der Arbeit. Genau dann, wenn der Akku ohnehin leer ist.
Vertrag zwischen dem bewussten und dem automatischen Denksystem mit leerem Energieakku
Dein Gehirn ist ein Autopilot und der kennt nur bekannt
Dein Gehirn macht etwa 2 Prozent deines Körpergewichts aus, verbraucht aber rund 20 Prozent deiner Energie. Es ist damit der mit Abstand teuerste Mitarbeiter in deinem Körper. Und deshalb gilt: so wenig wie möglich einsetzen. Alles, was regelmäßig wiederkehrt, wird automatisiert.
Ich nutze dafür gern das Bild vom Autopiloten. Natürlich könnte ein Pilot einen Langstreckenflug von Hand fliegen. Macht aber keiner, weil es viel zu anstrengend wäre. Die Piloten sparen ihre Aufmerksamkeit für Start und Landung, also für die kritischen Momente. Den Rest übernimmt die Automatik und regelt selbstständig gegen Abweichungen an.
Und jetzt kommt der entscheidende Punkt. Woran orientiert sich so ein Autopilot? Nicht daran, was insgesamt gut wäre. Sondern nur daran, was bekannt ist.
Dein Gehirn arbeitet permanent mit Vorhersagen. Verhältst du dich neu, ist das eine Abweichung vom Sollzustand, und dein System geht in Alarmbereitschaft. Deshalb fühlt sich das Neue nicht nur ungewohnt an, sondern oft regelrecht falsch. Es erzeugt sogar Stress, also genau das, was du eigentlich loswerden wolltest.
Ich sehe das bei Klientinnen und Klienten ständig. Sie schaffen es ein, zwei Mal, früher Feierabend zu machen oder sich klar abzugrenzen. Aber das Gefühl, dass es sich falsch anfühlt, geht nicht weg. Und dann kostet es sie am Ende mehr Kraft, als wenn sie gleich am Autopiloten selbst etwas verändert hätten.
Autopilot im Gehirn folgt der bekannten Route statt der neuen Richtung
Dein Unterbewusstsein verteidigt vor allem dein Selbstbild
Der dritte Mechanismus ist der, den ich am spannendsten finde. Dein Unterbewusstsein verteidigt nicht nur Gewohnheiten. Es verteidigt vor allem, wer du in deinen eigenen Augen bist.
Denk an ein Thermostat, eingestellt auf 21 Grad. Wird es wärmer, regelt es runter. Wird es kälter, heizt es. Ob 21 Grad wirklich angenehm sind, spielt keine Rolle. Es ist einfach der Sollwert.
Wenn dein Sollwert lautet: Ich bin die Person, die zuverlässig ja sagt, die immer liefert, dann ist ein früherer Feierabend für dein System kein Erfolg, sondern eine Abweichung. Und dein Unterbewusstsein regelt zurück, indem es dir Schuldgefühle macht, bis du wieder in der alten Spur bist.
Dazu kommt der Bestätigungsfehler. Dein Gehirn zeigt dir bevorzugt das, was zu deinem bisherigen Bild passt, und filtert den Rest heraus. Bei den Menschen, mit denen ich arbeite, zeigt sich das fast immer gleich: Lob und Erfolge perlen ab, während ein einzelner Kritikpunkt tagelang haften bleibt.
Stell dir dein Selbstbild wie einen sehr engagierten Praktikanten vor, der deine Post vorsortiert. Alles, was zu deiner Identität passt, legt er dir auf den Tisch. Alles andere wandert in den Papierkorb, bevor du es überhaupt zu Gesicht bekommst.
Selbstbild als Praktikant sortiert eingehende Rückmeldungen in zwei Fächer
Dein Fahrplan: Löschen geht nicht, überschreiben schon
Es gibt einen Trost in dieser Geschichte, und er kommt aus der Lernforschung. Alte Muster verschwinden nie zu 100 Prozent, aber neue Erfahrungen überlagern sie.
Stell dir einen Trampelpfad im Wald vor, jahrelang begangen, breit und tief eingetreten. Legst du daneben einen neuen Weg an und die Leute gehen ihn, wird dieser neue Weg mit der Zeit besser ausgetreten. Die alte Spur ist immer noch da, aber irgendwann siehst du davon nur noch Überbleibsel. Der Weg raus ist also nicht mehr Härte gegen dich selbst, sondern Wiederholung.
Drei Dinge kannst du direkt mitnehmen.
  1. Plane die Veränderung in deine starke Tageszeit: Wenn dein Akku abends leer ist, ist abends der schlechteste Zeitpunkt für neues Verhalten. Leg das Neue dorthin, wo du noch Kapazität hast.
  2. Rechne mit dem falschen Gefühl: Dass sich die neue Verhaltensweise unangenehm anfühlt, ist kein Zeichen dafür, dass sie falsch ist. Es ist genau das Signal, das dein System bei jeder Abweichung sendet.
  3. Arbeite am Sollwert, nicht am Verhalten: Solange dein Selbstbild sagt, du musst immer liefern, kämpfst du gegen ein Thermostat. Nachhaltiger ist es, den eingestellten Wert selbst zu verändern.
In der nächsten Folge zeige ich dir dann die konkreten Hebel, mit denen du diese Mechanismen für dich nutzt, statt gegen sie anzurennen.
Möchtest du wissen, wie du diese inneren Mechanismen am effizientesten angehen kannst?
In meinem kostenlosen 30 minütigen Videotraining zeige ich dir die 3 essentiellen Schritte, wie du trotz hoher Verantwortung im Job innerlich zur Ruhe kommst, nachhaltig und ohne dein komplettes Leben auf den Kopf stellen zu müssen.